Content Management-Systeme – „State of the Art“

Autor – Christian Weber, Director Digitale Kommunikation, nionex GmbH

Für die meisten Menschen ist die Website eines Anbieters mittlerweile der erste und auch der wichtigste Touchpoint. Sie erwarten von ihr nicht nur Inhalte, die ihre Fragen beantworten, sondern zunehmend auch interaktive Serviceangebote. Das macht die Unternehmenswebsite zu mehr als nur einem Ort, an dem nüchterne Informationen über Produkte und Unternehmen bereitgestellt werden. Sie nimmt direkten Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Interessenten. Überzeugt schon der erste Eindruck durch eine ansprechende und moderne Präsentation, ein hervorragendes Informationsangebot und entsprechende Services, steigen die Chancen deutlich, diesen Interessenten auch als Kunden zu gewinnen.

Mit den Ansprüchen der Nutzer an die Webpräsenz steigen allerdings auch die Anforderungen an das dahinterstehende Content Management-System (CMS). Einige der aktuell wichtigsten Entwicklungen, die für den Funktionsumfang eines CMS maßgeblich sind, hier im Überblick:

Mediendatenbank für das Redaktionssystem

Mit der wachsenden Anzahl an Texten, Bildern und Videos wird eine effiziente Organisation diesem Datenvolumen und ein effizienter Umgang mit dem Content immer wichtiger. In erster Linie muss das CMS dafür natürlich die Verwaltung der verschiedenen Medienformate unterstützen. Dazu sollte eine Mediendatenbank entweder direkt im CMS integriert sein oder eine externe Datenbank sollte so eingebunden sein, dass ein Website-Redakteur mit den Inhalten arbeiten kann, ohne dass er sein Redaktionssystem verlassen muss. Wenn das Redaktionssystem bereits bei der Bearbeitung von Webseiten eine Vorschau auf das spätere Ergebnis liefert, vereinfacht das die Erstellung von Beiträgen zusätzlich. Auch eine integrierte und unkomplizierte Bildbearbeitung, in der Redakteure Bildausschnitte aus einem größeren Bild bestimmen und deren Wirkung und Qualität in einer Vorschau prüfen können, verringert den Aufwand.

Eine besondere Herausforderung für Website-Betreiber sind Videos: Damit diese auf allen Geräten problemlos abspielbar sind, sollten sie in verschiedenen Auflösungen und Formaten vorhanden sein. Denn werden Videos nur in einer Qualität und nur über beispielsweise einen Flash-Player angeboten, können zahlreiche Nutzer diese nicht abrufen, weil sie diese Software nicht nutzen wollen oder können. Videos dagegen nur über einen HTML5-Player anzubieten, schließt wiederum die Nutzer einiger älterer Desktopsysteme aus, die nicht mit HTML5 umgehen können. Qualitativ hochwertige Videos in einer hohen Auflösung sind zwar schön anzuschauen, aber sie verlangen Nutzern mit einer langsamen Internetverbindung viel Geduld ab.

Responsive Webdesign für optimale User Experience

Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones und Tablets müssen Unternehmen sich auch Gedanken darüber machen, wie ihre Webseiten auf diesen Geräten aussehen. Es ist allerdings unmöglich, für jedes Gerät und für jede Bildschirmgröße eine eigens optimierte Seite bereitzustellen, um eine optimale User Experience zu bieten. Die Lösung für dieses Problem ist Responsive Webdesign: Das CMS generiert dabei automatisch verschiedene Website-Varianten, die auf die Eigenschaften des jeweiligen Ausgabemediums abgestimmt sind. Das CMS erkennt, welches Format der Ausgabebildschirm hat und passt die Inhalte entsprechend vordefinierter Regeln so an, dass sie auf jedem Gerät richtig strukturiert und übersichtlich dargestellt werden. Die Layouts für die verschiedenen Ausgabegrößen können ganz unterschiedlich aussehen. Denn wichtig ist in erster Linie, dass die Nutzer die für sie relevanten Informationen schnell finden.

Eine Hürde bei der Erstellung eines Responsive Webdesigns ist die Darstellung grafischer Inhalte: Es muss gewährleistet sein, dass ein Bild oder eine Grafik im jeweils passenden Format ausgeliefert wird. Beispielsweise lassen sich für eine herkömmliche Website erstellte Banner nicht vernünftig auf Smartphones anzeigen. Darum sollten Anwender für verschiedene Ausgabeformate unterschiedliche Bildergrößen im CMS definieren und auf ihre Tauglichkeit für unterschiedliche Ausgabemedien überprüfen können.

Content Targeting für individuelle Informationsbedürfnisse

Was ein positives Website-Erlebnis ausmacht, hängt natürlich stark von den Erwartungen des jeweiligen Nutzers ab. Darauf können Unternehmen reagieren, indem sie mittels Content Targeting ihre Inhalte bedarfsgerecht für verschiedene Zielgruppen ausspielen. Schließlich interessieren den späteren Anwender einer CNC-Fräsmaschine vollkommen andere Aspekte als den Geschäftsführer, der die Investitionsentscheidung trifft, oder den Händler, der sie vertreibt. Erst mit einem CMS, das ein solches Content Targeting unterstützt, können Unternehmen die individuellen Informationsbedürfnisse dieser Nutzer gezielt erfüllen.

Um die Besucher der eigenen Website kennenzulernen, müssen Unternehmen deren Surfverhalten analysieren. Aus diesen Daten können sie Nutzerprofile ableiten, die es ihnen ermöglichen, einen Website-Besucher einer Zielgruppe zuzuordnen und ihm die passenden Inhalte zur Verfügung zu stellen. Bei einem solchen regelbasierten Content Targeting präsentiert das CMS dem Besucher die passenden Informationen anhand vordefinierter Regeln.

Diese noch eher grobe Segmentierung lässt sich deutlich verfeinern, wenn die Benutzer bekannt sind, etwa weil sie sich über ein Login identifiziert haben. Wie im E-Commerce schon lange praktiziert, kann das CMS die Historie des Besuchers auswerten und ihm auf der Grundlage seiner bisherigen Aktivitäten Inhalte bereitstellen, die ihn sehr wahrscheinlich interessieren – und zwar unabhängig davon, ob er diese über eine Website, eine App oder einen Newsletter abruft.

Integriertes Web Reporting

Um zu überwachen, ob die angebotenen, individualisierten Inhalte auch vom Nutzer angenommen werden und das gewünschte Verhalten fördern, müssen Unternehmen ihre Website kontinuierlich überwachen und das Surfverhalten ständig analysieren. Ein in das CMS integriertes Web Reporting ist dafür unverzichtbar. Nur wenn Unternehmen verstehen, wie die Besucher mit ihrer Website interagieren, können sie ihr Angebot optimieren.

Eine bewährte Analysemethode sind A/B-Tests: Den Nutzern werden dabei jeweils unterschiedliche Varianten derselben Website angezeigt und eine Auswertung mittels Web Reporting zeigt, welche der beiden Fassungen besser funktioniert. Dadurch lässt sich feststellen, welches Design, welche Anordnung der Elemente, welche Farben und natürlich auch welche Inhalte die jeweiligen Zielgruppen am effektivsten ansprechen.

Verschiedene Sprachversionen in einer Umgebung

Richtet sich das Angebot eines Unternehmens an Zielgruppen in mehreren Ländern, empfiehlt es sich, die Website in verschiedenen Sprachversionen anzubieten. Denn auch wenn Englisch die Lingua franca des Internets ist, bevorzugen Nutzer Informationen in ihrer Muttersprache. Der damit verbundene Aufwand bleibt überschaubar, wenn Unternehmen ein CMS mit integriertem Übersetzungsmanagement-System einsetzen. Dann können Redakteure aus dem CMS heraus Übersetzungsaufträge anstoßen, die Übersetzungen mit ihren Landesgesellschaften abstimmen und anschließend im Web veröffentlichen.

Idealerweise verfügt ein solches System über eine Statusverwaltung, die Aufschluss über den Bearbeitungsstand der Übersetzungen gibt. Eine Layout-Vorschau sollte zudem dafür sorgen, dass die Bearbeiter auf einen Blick erkennen, ob eine Übersetzung in eine Layout-Vorlage passt. Umfasst das Tool auch ein Translation Memory-System (TMS), ist es möglich, bereits übersetzte Texte wiederzuverwenden: Sie fließen automatisch zurück in das CMS, wodurch sich die Übersetzungskosten spürbar reduzieren.

www.cms-audit.de

Christian Weber, Director Digitale Kommunikation bei der nionex GmbH. Die nionex GmbH ist ein Full Service-Dienstleister für digitale Kommunikation, E-Commerce und Application Hosting. nionex entwickelt maßgeschneiderte E-Commerce-Lösungen, integriert diese in die IT-Landschaft und optimiert die nachgelagerten Prozesse der Auftragsverarbeitung. Darüber hinaus setzt nionex individuelle Corporate Web-, Intranet- und Extranet-Lösungen um.