History – digitalisiert

Autor – Jürgen Neitzel, freier Journalist, für Zeutschel GmbH

The Papers of Abraham Lincoln ist ein langfristiges Dokumentations-Projekt zur Identifizierung, Digitalisierung und Veröffentlichung der gesamten Korrespondenz und anderer Schriftstücke von Abraham Lincoln (1809–1865). Dies beinhaltet sowohl Dokumente und Briefe, die von dem amerikanischen Präsidenten selbst verfasst als auch an ihn geschrieben wurden.

1985 als Lincoln Legal Papers gegründet, erweiterte sich das Projekt 2001 zu The Papers of Abraham Lincoln. Neben staatlichen Zuschüssen finanziert sich das Projekt zu einem Drittel aus privaten Spenden. Die Webseite http://www.papersofabrahamlincoln.org enthält neben den eingescannten Dokumenten umfangreiche Informationen zur Sammlung, einen Newsletter mit aktuellen Projektinformationen sowie umfangreiche biografische und bibliographische Angaben zu Abraham Lincoln.

Dokumentensammlung aus verstreuten Quellen

Briefe und andere handschriftliche Aufzeichnungen sind eine der wichtigsten Quellen, um die Gedanken, Motive und Handlungen eines der bedeutsamsten amerikanischen Staatsmänner zu verstehen. Die Materialien stammen größtenteils aus Hochschulbibliotheken, Museen, historischen Gesellschaften, der Library of Congress sowie der National Archives and Records Administration (NARA) – dem Nationalarchiv der USA. Weitere Quellen sind Privatsammler und Regierungen aus aller Welt. Seit Beginn des Projekts konnten tausende von Dokumenten aus 47 US-Bundesstaaten und aus Ländern wie Japan, Australien, Portugal und der Schweiz zusammengetragen werden. Dr. Daniel W. Stowell, Direktor und Herausgeber von The Papers of Abraham Lincoln merkt an, dass „trotz des bereits großen Bestands wir immer noch Zug um Zug neues Material entdecken“. Seit 2011 findet die Projektarbeit im Nationalarchiv statt, das den größten Bestand an Lincoln-Papieren besitzt.

Hohe Ansprüche an die Digitalisate

Der handgeschriebene Augenzeugenbericht von Dr. Charles A. Leale zu den Ereignissen im Ford’s Theatre, Washington D.C., am 14. April 1865 ist ein historisches Juwel. Der 23-jährige Arzt schildert in sehr bewegender Direktheit viele Details, die vorher nicht bekannt waren. Viele der Originale sind gebundene Dokumente, die entweder bereits in gebundener Form hergestellt oder später aus konservatorischen Gründen zusammengefasst wurden (zum Beispiel kombinierte Sammelalben aus losen Blättern).

Bild: Ein Bewilligungsschreiben von Abraham Lincoln.

Die Anforderungen an den Digitalisierungsprozess sind entsprechend des Zustandes und der Bedeutung der Dokumente sehr hoch. Dazu gehören neben der schonenden Behandlung der Vorlagen auch die Möglichkeit, größere Formate zu verarbeiten. Entscheidende Voraussetzung für den Projekterfolg ist jedoch eine exzellente Image-Qualität mit einer Auflösung von 600 dpi.

Dabei werden alle Dokumente in Farbe erfasst, um den Kontrast und die Lesbarkeit der Manuskripte zu verbessern. Durchstreichungen und Ergänzungen lassen sich besser erkennen und Hinweise auf die Autorenschaft erschließen sich leichter.
Zudem bleiben die farbigen Eigenschaften der Dokumente bewahrt – von dem blauen Schreibpapier, typisch für die Zeit Lincolns, über die eingesetzte Farbtinte bis hin zu farbigen Briefmarken und Umschlägen.

Bei der Auswahl des Scansystems vertraute The Paper of Abraham Lincoln auf die Kompetenz von The Crowley Company. Der Anbieter von Digitalisierungs- und Mikrofilmlösungen ist seit zwei Jahrzehnten ein zuverlässiger Partner des Nationalarchivs (NARA) und empfahl den Einsatz eines Zeutschel Aufsichtsscanners. Das aktuelle High-End-Modell OS 14000 wurde von Zeutschel nach den strengen Vorgaben der NARA hinsichtlich der Farbqualität der Images sowie der produktiven Verarbeitung entwickelt.

Aufwändiger Digitalisierungsprozess

Der Workflow beginnt mit der Lokalisierung der Dokumente. Diese sind teilweise bereits mikroverfilmt und durch die NARA archiviert worden, sodass jede Filmserie durchsucht werden muss. Mit der gefundenen Filmreferenz lässt sich das Original dann im Archiv finden. Alle Vorlagen werden – wann immer möglich – vom Original digitalisiert, um die Qualität und historische Exaktheit sicherzustellen. Gescannt wird in einer optischen Auflösung von 600 dpi im unkomprimierten TIFF-Format.

Danach erfolgt die manuelle Übertragung der Inhalte (Wort für Wort) in eine Datenbank. „Lincolns Handschrift ist zwar recht gut lesbar, das gilt aber leider nicht für alle, die an ihn geschrieben haben“, erklärt Dr. Daniel W. Stowell.
Am Ende des Digitalisierungsprozesses werden die Dokumente kommentiert und in XML ausgezeichnet und beschrieben. Bisher hat das Projekt-Team ca. 96.000 Dokumente eingescannt und davon 30.000 Transkriptionen angefertigt. Das ergibt eine Datenmenge von 30 bis 35 Terabyte, die auf einem Server an der Universität von Illionois in Urbana-Champaign gesichert sind. Die gesamte Sammlung beträgt über 150.000 Dokumente bei einem Datenvolumen von ca. 60 bis 70 Terabyte.
Der Online-Zugang ist für Historiker, Wissenschaftler, Gelehrte und allgemein die interessierte Öffentlichkeit kostenfrei, die Images können hochauflösend im JPEG-Format betrachtet und ausgedruckt werden.

www.zeutschel.de

Jürgen Neitzel produziert Content für Marketing in Print und Sozialen Medien. Schwerpunkt ist das Storytelling.

Die Zeutschel GmbH liefert seit mehr als 50 Jahren Lösungen für das Dokumenten- und Archivmanagement. Die Produktpalette umfasst Aufsichtsscanner für Kopier- und Digitalisierungsanwendungen, Scan-Software, Lieferdienst-Software und Software-Lösungen für den Aufbau digitaler Sammlungen im Internet sowie Mikrofilmsysteme. Sowohl die Entwicklung als auch die Fertigung inklusive Qualitätskontrolle finden am Firmensitz in Tübingen-Hirschau statt.