MITO – Standard-Methoden-Tool auf SharePoint-Basis

Gersom Sommerfeld und Mathias Lopass, arvato Systems GmbH

MITO ist sowohl ein theoretisches Modell als auch ein flexibles und praxistaugliches Methoden-Tool mit elementaren Management-, QM- und KVP-Methoden, das mit eigenen oder vorgefertigten Referenz-Checklisten und Portfoliomatrizen angewendet werden kann. Mit dem MITO-Tool können sehr einfach Risiko- und Zielanalysen, komplexe Prozessanalysen und Auditbewertungen durchgeführt sowie Maßnahmen abgeleitet und evaluiert werden.

Theoretisches Modell

MITO steht für Management, Input, Transformation und Output. Hartmut F. Binner, Professor an der Hochschule Hannover und Begründer des Modells, ist Experte für die Themen Prozess- und Qualitätsmanagement und befasst sich in zahlreichen Projekten insbesondere mit der Prozessgestaltung und -optimierung. Prozesse setzen sich laut der Qualitätsnormdefinition aus einem Bündel von Aktivitäten zusammen, die einen Wert für den Kunden erzeugen. Diese Werterzeugung setzt sich wiederum aus einem Input, der eigentlichen Transformationen und einem Output zusammen. Nimmt man die Anfangsbuchstaben dieses Ablaufes, erhält man die Abkürzung „ITO“.

MITO ergänzt nun diesen Ablauf um eine Managementkomponente und überführt durch diese Ergänzung den linearen Prozess in einen Kreislauf (siehe Bild 1). Der Input wird vom Management bestimmt und der Output wird ebenfalls vom Management geprüft und für einen weiteren Input verwendet. Ein Kreislauf gemäß PDCA (Plan, Do, Check, Act) ist damit initiiert und ermöglicht den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). MITO kann sowohl als strategisches Instrument vom Management als auch als operatives Werkzeug in einzelnen Prozessen und Teilprozessen eingesetzt werden.

oa_bild1Bild : MITO-Haus

MITO und SharePoint

Verschiedenste Funktionalitäten des SharePoint und MITO sind miteinander gekoppelt und bieten so eine umfassende Integration in bestehende Geschäftsabläufe, Projekte und Arbeitsumgebungen. Durch die enge Verzahnung der Microsoft-Technologien stellt MITO-SharePoint eine einfache Nutzung der Office-Welt wie beispielsweise Word, Excel und Project bereit.

Die Einbettung von MITO in das SharePoint-System setzt gezielt auf die Möglichkeiten von SharePoint und bleibt dabei nahe am Standard der Technologie. Berechtigungen können so einfach gesetzt, Dokumente verlinkt und Projektkalender angelegt werden. Leicht lässt sich ein ganzes Projektteam mit allen Teamdaten erstellen, das anschließend den Zugriff auf die MITO-Analysen erhält. Das Einladen weiterer Teammitglieder erfolgt mit SharePoint-Standards und das neue Mitglied erhält automatisch eine E-Mail.

Entscheidende Weiterentwicklungen und sichtbarer Mehrwert gegenüber klassischen, monolithischen Programmen ist die Möglichkeit von SharePoint, die Zusammenarbeit, Kollaboration und Interaktion ganzer Teams, Abteilungen und externer Kunden und Mitarbeiter nicht nur zu fördern, sondern direkt bereitzustellen. Das Verschicken von Dateien, Auswertungen oder Grafiken per E-Mail, um Änderungen mitzuteilen, sich abzustimmen und sich über Neuerungen auszutauschen, entfällt. Die MITO-SharePoint-Lösung gibt die Flexibilität einfach und unkompliziert Analysen im Web zu teilen und gemeinsam ein Ergebnis zu erarbeiten. Umfragen können per Klick gestartet werden, ohne anschließend die Rückmeldungen konsolidieren oder anpassen zu müssen. Das Feedback steht online sofort zur Verfügung und kann ad hoc Analysen mit Echtdaten durchführen.

Praxistaugliches Tool

Nach einer Authentifizierung auf dem SharePoint können im ersten Schritt Projekte angelegt und MITO-Analysen zugeordnet werden.

Das MITO-Vorgehen orientiert sich dabei immer an folgenden Schritten (siehe Bild 2): 1. Analyse, 2. Diagnose, 3. Umsetzung, 4. Evaluierung.

oa_bild2Bild : MITO-Vorgehensweise

Generik von MITO

Das MITO-Methoden-Tool ist generisch aufgebaut und lässt sich für viele verschiedene Frage- und Problemstellungen anwenden, beispielsweise in der Logistik oder im Qualitätsmanagement. In MITO wird eine Checkliste mit allen wichtigen Faktoren erstellt. Sind die Kriterien einmal definiert, können beliebig viele Objekte an diesen Kriterien gemessen und verglichen werden. Ist das bestmögliche Objekt (z.B. ein Lieferant für die Logistik) gefunden, kann dieses in einem zweiten Schritt genauer analysiert werden. Abweichungen zur Anforderung können besprochen und Maßnahmen zur Optimierung getroffen werden.

Schritt 1 „Analyse“

In einer solchen Optimierungsanalyse ist zunächst zu klären, welche Kriterien die Analyse beeinflussen. Die Checklisten können leicht ergänzt oder angepasst werden. All diese Kriterien können nun sowohl von Einzelpersonen, einem Team (beispielsweise in einem Workshop) oder auch von Personen von unterschiedlichsten Standorten gleichzeitig auf der Plattform bewertet werden. Hier bietet sich SharePoint als zentrale Plattform an, die neben der Zusammenarbeit auch die Möglichkeit bietet, über verschiedene Recht- und Rollenkonzepte sowie das integrierte Dokumentenmanagement eine ganzheitliche Betrachtung und Bearbeitung von Aufgabenstellungen zu ermöglichen. Für die Bewertung wird ein Punktesystem eingesetzt, das beliebig konfiguriert werden kann.

Schritt 2 „Diagnose“

Die Auswertung der Bewertung erfolgt grafisch. Zur Verfügung stehen verschiedene Portfolio-, Pareto- und Netzdiagramme. Ein besonderes Merkmal liegt dabei in der Zweidimensionalität von MITO. Kriterien werden nicht mehr nur eindimensional (z. B.: „Nutzen“) bewertet, sondern zweidimensional (z. B.: „Aufwand und Nutzen“). Dadurch ergibt sich ein genaueres Handlungsbild, welches sich in der Kombination verschiedener Dimensionen einer mehrdimensionalen Bewertung ausweiten lässt. Fragestellungen, wie sich „Aufwand/Nutzen“ zur „Effektivität/Effizienz“ verhält, ermöglichen detaillierte Informationen und das Erkennen von Abhängigkeiten. Die Dimensionen für die Mehrdimensionalität werden direkt im Menü ausgewählt oder nach Wunsch auch selbst definiert. So können die gleichen Kriterien, beispielsweise sowohl nach Wichtigkeit/Dringlichkeit als auch nach Aufwand/Nutzen oder nach Soll/Ist, ausgewertet werden.

Dem Anwender werden zwei Navigationspfade angeboten (siehe Bild 3). Während auf der linken Seite eine Vielzahl von bewährten und miteinander vernetzten Methoden zur Verfügung steht, befinden sich oben die gesamten Auswertungsmöglichkeiten der jeweiligen Methoden. Als Beispiel: Links befindet sich die Methode „Nutzwertanalyse“. Die Ergebnisse der Nutzwertanalyse können nun nach Objekten, Personen, Kriterien, Kriteriengruppen ausgewertet werden.

oa_bild3Bild : Navigationspfade – links die Methoden; oben die Auswertungen

So kann bestimmt werden, welches Objekt die Anforderung in der Gesamtheit, in kleineren und größeren Bereichen und in einzelnen Kriterien am besten erfüllt. Ebenso lässt sich auswerten, welche Kriterien in der Gesamtheit und im Einzelnen von allen beobachteten Objekten in welchem Maße erfüllt werden. Daraus lassen sich Benchmark-Werte ableiten, um eine Einschätzung für den Markt zu gewinnen (siehe Bild 4).

oa_bild4Bild : Vergleich verschiedener Lieferanten

Schritt 3 „Umsetzung“

Die in der Diagnose automatisch als kritisch erkannten Kriterien werden nun Step-by-Step abgearbeitet. Das Tool leitet einem dabei durch die verschiedenen Schritte. Zunächst werden für die kritischen Kriterien Ziele, für die Ziele Maßnahmen und für die Maßnahmen Verantwortlichkeiten und Termine definiert. Um die Übersichtlichkeit dabei zu gewährleisten, bietet MITO auch hier grafische Darstellungen an, etwa einen Relationsbaum (siehe Bild 5). Der Anwender erhält als Ergebnis terminierte und zugeordnete Arbeitspakete für einen Projektplan.

oa_bild5Bild : Relationsbaum

Schritt 4 „Evaluierung“

Bei der Evaluierung wird überprüft, wie effektiv und effizient die Maßnahmen geplant, ausgeführt, überprüft und optimiert wurden. Wenn als Beispiel definiert wurde, dass Herr Müller bis zum 30.06.2013 mit einem Lieferanten eine Produktverbesserung besprechen soll, kann diese Arbeit evaluiert werden und bei Abweichungen vom Soll sofort nachjustiert werden. Gerade dieser Schritt der Evaluierung wird häufig außer Acht gelassen, ermöglicht er jedoch, entweder beim nächsten Mal es gleich richtig zu machen oder schnell bei kritischen Situationen einzugreifen. Die Analyse wird auf dem SharePoint zu Dokumentationszwecken gespeichert, so dass jederzeit Entscheidungen nachvollzogen werden können (siehe Bild 6).

 oa_bild6Bild : Netzdiagramm zur PDCA-Evaluierung

Nach der Evaluierung kann ein neuer MITO-Zyklus begonnen werden, um so den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) zu unterstützen.

Am Ende der Vorgehensweise kann ein umfassender Bericht automatisiert erzeugt werden. Dieser stellt aufbereitet die auswählbaren Inhalte einschließlich aller erfassten Daten und Grafiken bereit. Wahlweise als PDF- oder RTF-Dokument, ermöglicht er die anschließende Weiterarbeit oder Anpassung. Ganz gleich, ob vom PC, Tablet oder Smartphone.

Vorgefertigte Inhalte

MITO beinhaltet bereits viele Branchen- und Themenlösungen, darunter Checklisten für die Bewertung von Prozessen, z. B. für die Versorgungswirtschaft oder die Gesundheitsbranche. Vorgefertigte Checklisten wie die DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) oder die DIN EN ISO 50001 (Energieeffizienzmanagement) sind in MITO buchbar. So kann direkt mit der Umsetzung begonnen werden, die zur Unterstützung einer Zertifizierung genutzt werden kann. Natürlich können auch eigene Checklisten einfach mit MITO erstellen werden. Dieselbe Vorgehensweise lässt sich auf andere Themen mit der gleichen standardisierten Vorgehensweise schnell und leicht übertragen.

Fazit

MITO bietet dem Anwender ein standardisiertes, ganzheitliches, einfach anwendbares Methoden-Tool zur Analyse, Diagnose, Umsetzung und Evaluierung von selbst oder fremddefinierten Kriterien an. MITO-SharePoint kann von mehreren Personen gleichzeitig an den verschiedensten Standorten aus bedient werden. In einer vordefinierten Vorgehensweise werden die Checklisten methodisch abgearbeitet und können für weitere Präsentationen genutzt werden. Durch den Einsatz von SharePoint wird dabei auf eine ausgereifte Standardtechnologie gesetzt, welche marktführend die Zusammenarbeit fördert und auf lange Sicht Stabilität verspricht.

http://www.arvato-systems.de/de/mito/

Gersom Sommerfeld, Consultant, arvato Systems GmbH, Mathias Lopass, Senior Consultant, arvato Systems GmbH. arvato Systems bietet als Systemintegrator neben der Implementierung von Standardsoftware maßgeschneiderte, branchenspezifische und individuell entwickelte Lösungen. Im Verbund der zum Bertelsmann Konzern gehörenden arvato, einem der führenden europäischen BPO-Anbieter, sind 2.500 Mitarbeiter an weltweit 25 Standorten tätig.