Zukunftsorientiert: Der Weg zur smarten Produktkommunikation

Autor –
Dr. Walter Fischer, Gründer und Vorstandsvorsitzender, Fischer Computertechnik FCT AG

Industrie 4.0 ist der Innovationstreiber in der produzierenden Industrie und im Maschinenbau. Ziel ist es, intelligente Produkte weltweit zu vernetzen, eindeutig identifizierbar und jederzeit lokalisierbar zu machen, um die Kommunikation zwischen Produkten, Menschen und Maschinen zu organisieren und zu optimieren. Industrie 4.0 ist der Begriff für eine neue digitale Dimension der Organisation und Steuerung der Wertschöpfungskette während des gesamten Produktlebenszyklus. Industrie 4.0 verlangt die Verfügbarkeit von aktuellen Informationen zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort und zwar im gesamten Prozess, von der Fertigung bis zur Entsorgung des Produktes.

Vernetzte Informationen und Prozessdaten

Die Produkte werden smart. Dazu muss jedes Werkstück und jede Baugruppe mit einem „smarten Chip“ ausgestattet sein, auf dem die Informationen gespeichert sind, welche dazu notwendig sind, das Produkt zu bearbeiten oder zu fertigen. Diese Chips tragen Informationen wie technische Daten, Baupläne oder DNC-Daten, Befehle oder Bearbeitungsschritte und -anweisungen, die zur flexiblen und effizienten Fertigung notwendig sind. Dazu gehören auch Informationen über Funktionen oder Ressourcen, die für die jeweiligen Bearbeitungsschritte erforderlich sind, woraus sich Kosten und andere Prozessdaten dynamisch ableiten lassen. Alle Komponenten und Produkte verfügen über eine Identität und Informationen bis hin zu eigener Entscheidungskompetenz; die Produkte haben ein Gedächtnis und die Fähigkeit, mit anderen Komponenten oder Produkten zu kommunizieren.

Auch die Produktkommunikation wird smarter. Industrie 4.0 hat das Potenzial, die Kommunikation zwischen Menschen, Produkten und Systemen auf eine neue Stufe zu heben. Industrie 4.0 beeinflusst demzufolge, neben der Kommunikation der Produkte untereinander, auch maßgeblich die Kommunikation zwischen Mensch, Produkt und Maschine. Wie erfolgt zukünftig in diesem digitalisierten, hochvernetzten Umfeld die Kommunikation des Produktes mit dem Anwender, der Serviceperson, dem Monteur etc.? Wie müssen zukünftig Produkt-, Verkaufs- und Serviceinformationen, technische Daten sowie Bedienungsinformationen bereitgestellt werden?

Vernetzte Produktkommunikation (Quelle: Fischer Computertechnik FCT AG)

Neue Anforderungen für die Technische Dokumentation

Die beschriebene Entwicklung erfordert, Innovationen in der Technischen Dokumentation (TD), welche heute noch stark durch Dokumente, Online-Hilfen oder PDF-Dateien geprägt ist, zu überdenken. In der klassischen TD werden dem Anwender, Nutzer oder Bediener (Worker) die Informationen, welche für die Benutzung des Produktes notwendig und hinreichend sind, in Form von Betriebs- oder Installationsanleitungen, Gebrauchsanweisungen, Wartungshandbüchern oder Ersatzteilkatalogen in die Hand gegeben. Dabei handelt es sich um Informationen zur Bedienung, zum Gebrauch, zur Installation, zu Funktionen, Vorteilen oder Merkmalen sowie zur Pflege und Wartung, zum Umbau oder gar zur Entsorgung des Produktes; also alles Informationen, welche während des gesamten Lebenszyklus des Produktes notwendig sind.

Eine zentrale Anforderung der Technischen Dokumentation ist es, dass alle diese Informationen in Form der jeweiligen Produktdokumentationen vom Produktehersteller zusammen mit dem Produkt an den Kunden geliefert werden. Dies gilt für jedes Produkt in jeder Sprache.

Produktkommunikation mit Industrie 4.0

Zukünftig werden smarte Produkte oder Komponenten (Equipment) als Teil eines komplexen Gerätes, einer Maschine oder Anlage bereits im Entstehungsprozess und während der Fertigung direkt mit den entsprechenden Produktinformationen zur Sicherheit, Bedienung, Betrieb oder Wartung auf dem „smarten Chip“ gefüllt oder angereichert werden. Damit wird das „Gedächtnis“ der smarten Produkte nicht nur mit Informationen, die seinen Produktlebenszyklus hinsichtlich der Fertigung betreffen, angereichert, sondern es wird auch (sämtliche) Informationen, die zu seiner Verwendung, Bedienung oder im Service benötigt werden, bei sich tragen. Das heißt, es sollen auf dem Chip des Produktes Stück für Stück Informationsfragmente, welche für die Kommunikation zwischen Mensch und Produkt erforderlich sind, gespeichert und sukzessive aufgebaut werden. Ein Beispiel: Eine Baugruppe oder Komponente ermittelt selbst anhand ihres „Gedächtnisses“, wann sie gewartet oder ausgetauscht werden muss, und meldet dies dem Anwender bzw. „weiß“ selbst über die Sicherheitsvorschriften Bescheid, die beim Umgang mit der Baugruppe bei solchen Tätigkeiten zu berücksichtigen sind.

Die gesamte Produktinformation lässt sich modular aus den Informationen der einzelnen Produkte oder Komponenten zusammenbauen, die Betriebsanleitung wächst sozusagen gleichzeitig und parallel zum Fertigungsprozess. Es entsteht die smarte Produktdokumentation. Auf diese Art kann das Produkt individualisiert (z.B. abhängig von der Einbausituation, in welcher Anlage die Komponente verwendet wird oder abhängig vom Kontext der jeweiligen Situation) für die richtige Information für den Anwender sorgen. Hierdurch ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für die Produktkommunikation in der Zukunft.

Produktkommunikation 4.0 (Quelle: Fischer Computertechnik FCT AG)

Selbstverständlich stehen alle diese Informationen auch auf entsprechenden mobilen Geräten wie Tablets oder Smartphones oder an der Steuerung einer Maschine für den Anwender jederzeit an jedem Ort zur Verfügung ‒ dies kennzeichnet die Bezeichnung „Produktkommunikation 4.0“. Das ist die Grundlage für eine geschlossene Informations-Lieferkette und für das durchgängige Informationsmanagement (ISCM – Information Supply Chain Management). Selbstverständlich ist auch zukünftig der Mensch für die Erstellung, Pflege oder Anreicherung der Informationen verantwortlich, aber Industrie 4.0 erschließt neue Möglichkeiten in der Technischen Produktkommunikation.

Standardisierte Strukturierung mit DITA

Mit Produktkommunikation 4.0 ist die Trennung von technischen oder Marketing- bzw. Vertriebsinformationen hinfällig. Produkteigenschaften, Leistungsmerkmale, Nutzen, Preise, Verwendungen, Verträglichkeit etc. werden wie alle bereits oben genannten Informationen direkt am Produkt vorgehalten. Produktkommunikation 4.0 bedingt aber eine strikte Modularisierung und Fragmentierung der Information in Sinneinheiten und sie verlangt moderne, erweiterte Metadatenkonzepte und Taxonomien zur Digitalisierung des Contents. Die Produktkommunikation 4.0 macht dabei eine entsprechende standardisierte und internationale Strukturierung (DTD), erweiterte Module bzw. Topics und damit neue Informationsmodelle und Methoden notwendig, welche nicht nur für die modulare Erstellung, sondern insbesondere für die Verteilung oder den Zugriff der Information geeignet sind.

Eine Möglichkeit zur Modellierung des Contents ist DITA. Diese DTD ist eine tool- und herstellerunabhängige, eingeführte und etablierte Informationsarchitektur. DITA basiert auf XML, ist topic-orientiert und kennt Informationsklassen. DITA ist ein Austauschformat und somit ideal für die internationale Zusammenarbeit. DITA ist eine praxiserprobte Informationsarchitektur und ein internationaler Standard, um Informationen für die Produktkommunikation 4.0 idealerweise zu beschreiben, zu strukturieren und zu organisieren. DITA ist erweiterbar im Rahmen des Standards, z. B. um weitere Elemente in der Struktur, um Informationen zur Wartung, Diagnose, Varianten oder Konfiguration zu organisieren, wie sie im technischen Informationsmanagement für die Produktkommunikation 4.0 benötigt werden. Damit wird mit einer erweiterten DITA-Struktur ein Informationsmodell geschaffen, welches notwendig sein wird, um sämtliche Informationen auf einer standardisierten Plattform, wie DITA sie darstellt, zu organisieren.

Auf Basis des Informations-Management Systems TIM 4.0 mit (und ohne) DITA nutzen unsere Kunden bereits heute zahlreiche Lösungen für eine ganzheitliche und integrierte Produktkommunikation. TIM 4.0 übernimmt das Management der Informationen, Medien (MAM) und Produktinformationen (PIM) sowie die Publikation in alle Kanäle. Über ein modernes Content Delivery Portal werden die Informationen verteilt, um moderne, smarte Produkte mit einer smarten Produktkommunikation am Markt zu positionieren.

Fazit

Die Digitalisierung der Wertschöpfungskette verändert die Produktkommunikation völlig. Sämtliche zu verteilenden Informationen müssen so organisiert sein, dass der Anwender oder Kunde Zugriff (Access) auf sämtliche Produktinformationen hat und die gewünschte Information einfach und schnell, vollständig und aktuell ist. Neue Kommunikationsstrukturen durch Industrie 4.0 verändern dabei auch die Technische Dokumentation. Mobile Geräte schaffen neue Zugriffsmöglichkeiten auf die gesamte Produktkommunikation. Dabei steht die Information als Sinneinheit (Topic) im Vordergrund, das Dokument als Ganzes verliert an Bedeutung.

Damit wird es zu einer Herausforderung des unternehmensweiten Informations-Managements (ISCM), sämtliche Produktinformationen in Zukunft zu jeder Zeit an jeden Ort liefern zu können. Mit Industrie 4.0, gekoppelt mit Produktkommunikation 4.0, basierend auf DITA, ist dies möglich. Industrie 4.0 ist somit der Schlüssel zu einer neuen Form der Produktkommunikation, damit alle an der Wortschöpfung Beteiligten (Menschen, Maschinen, System) ihre Aufgaben optimiert ausführen können.

www.fct.ag

Dr. Walter Fischer, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Fischer Computertechnik FCT AG. Das Unternehmen ist Anbieter von Lösungen für die innovative Produktkommunikation ‒ Basis sind das Redaktionssystem TIM 4.0 und DITA. Damit werden die mobile Dokumentation und Informationsverteilung über das Content Delivery Portal sowie Lösungen für die internationale Zusammenarbeit und für Industrie 4.0 umgesetzt.