Informationskompetenz ist das Ziel

    Wir haben das Wissen und Können, den Übergang in die digitale Gesellschaft professionell zu begleitenl

    Arnoud de Kemp, Initator der Informare!

    Arnoud de Kemp ist seit vielen Jahren bekannt für sein ehrenamtliches Engagement für neue Medien und mehr Informationskompetenz. Im vergangenen Jahr hat der „Pionier an der Front der Digitalisierung“ (Branchendienst Passwort), wissenschaftlicher Verleger und Altpräsident der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und -praxis (DGI) die Kongressmesse Informare! ins Leben gerufen, um Information Professionals aus den verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ein neues Forum für den Wissenstransfer zu bieten.DOK.magazin sprach mit Arnoud de Kemp über die Themen und das außergewöhnliche Format dieser Veranstaltung.

    Herr de Kemp, Interoperabilität im Semantic Web mit Big Data und LOD, ein XML-Workshop, in dem man lernen kann, wie man E-Books macht, ein Forschungsprojekt, aus dem eine Fabrik für Software und Softwaremodelle hervorgehen soll, ein Cloud-basierter Marktplatz für Analysen auf dem deutschsprachigen Web, eine „Lange Nacht der Suchmaschinen“ und eine Ausstellung, in der „Die Kunst der Information“ zu sehen sein wird – wie passt das alles zusammen, was da im vorläu!gen Programm für die Informare! 2012 steht? Was ist das für eine Veranstaltung? Wen sprechen Sie an?

    „Die Informare! ist eine wissenschaftliche Kongressmesse mit vielen neuen Elementen. Im Mittelpunkt steht fundiertes Wissen über Information und Wissen im digitalen Zeitalter.

    Wissen über Information und Wissen hört sich holprig an, trifft aber genau den Kern: In Deutschland ist viel zu wenig bekannt, welches Know-how Information Professionals aus den unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft haben, um den Transformationsprozess von print zu digital zu begleiten und welche professionellen Informationsprodukte und -dienste es gibt. Wir nennen dieses Know-how Informationskompetenz. Auf der Informare! bringen wir die Akteure zusammen und zeigen, was es gibt und wer es kann. Dazu gehört all das, was Sie in Ihrer Frage aufgezählt haben. Aber es ist noch lange nicht alles, was dazugehört, wenn man über den professionellen Umgang mit Information im digitalen Zeitalter diskutiert. Es fehlen zum Beispiel noch die Themenblöcke „Wissensorganisation“ und „Politik und Internetgesellschaft“, die wir auch im Programm haben.“

    Ist nicht Medienkompetenz das bekanntere Wort für das, was Sie als Informationskompetenz bezeichnen?

    Nein. Souverän mit digitalen Medien umgehen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme an der digitalen Gesellschaft. Aber für Information Professionals sind Computer und mobile Geräte wie iPad, Kindle, Blackberry und Samsung Galaxy einfach nur die Werkzeuge, mit denen sie ihre Arbeit erledigen. Informationskompetenz ist mehr. Hier geht es um den Inhalt, den Content. Wir de “ nieren Informationskompetenz als die Befähigung, digital angebotene Information richtig beurteilen und bewerten zu können und bei der Produktion von digitalen Informationsdiensten Inhalte und Software zur Verarbeitung, Analyse und Präsentation so zu gestalten, dass die Technik richtig funktioniert und die Recherche zuverlässige, belastbare Ergebnisse bringt. Wir haben dieses Wissen und Können in Deutschland. Es ist aber verstreut und zu wenig sichtbar.

    Wo gibt es denn die Informationskompetenz, die Sie da beschreiben?

    Es gibt sie an ganz vielen verschiedenen Stellen und das ist auch der Grund dafür, warum wir nicht als Branche oder Community sichtbar sind und die Akteure oft viel zu wenig voneinander wissen. Sie besser und dadurch sichtbarer zu machen, ist der wichtigste Grund, warum wir die Informare! erfunden haben. Wir führen die Information Professionals zusammen und zeigen, wie viel professionelles Wissen und Können in Deutschland vorhanden ist. Wir haben hierzulande das Know-how, mit dem wir die Chancen, die der Paradigmenwechsel von gedruckter zu digitaler Informationsvermittlung und weltweite Echtzeit-Kommunikation bieten, gewinnbringend zu nutzen und die Herausforderungen gut zu bewältigen.

    Informationskompetenz findet man zum Beispiel an Universitäten mit Lehrstühlen für Informationswissenschaft, Informationswirtschaft, an Informatikfakultäten, bei den Wirtschaftswissenschaften und an Instituten, die sich sozialwissenschaftlich mit der Digitalisierung auseinandersetzen oder künstliche Intelligenz erforschen. Bei den traditionellen Informationsanbietern wie Agenturen, Verlagen und Zulieferern, bei spezialisierten Software-Beratungshäusern für Textanalyse und Datamining und in der Marktforschung ist Informationskompetenz die Voraussetzung für das Kerngeschäft. In der Ausstellung „Die Kunst der Information“ zeigen diese Unternehmen und Einrichtungen auf der Informare!, wie digitale Informationsdienste professionell ausgelegt werden müssen, damit Information von digitalen Medien zuverlässig und unverfälscht verarbeitet wird. Das sind beispielsweise TNS Infratest Forschung, der wissenschaftliche Springer-Verlag, Dow Jones, Swets Information Services, MarkLogic oder die Leibniz-Zentren ZPID Trier und FIZ Chemie. Diese Leute können das. Manche entwickeln seit über 30 Jahren Online-Informationsangebote. Damals wurden die Daten noch mit dem Akustik-Koppler über BTX übertragen.

    Auf der Seite der Anwender ist hohe Informationskompetenz beispielsweise in den Dokumentationsstellen von Rundfunk und Fernsehen, in der Informationsvermittlung von Konzernen, in Bibliotheken und bei den selbständigen Informationsmaklern vorhanden. Die selbständigen Informationsmakler sind übrigens allesamt hervorragender Informationsexpertinnen und Experten, aber das Berufsbild ist kaum bekannt. Im Bereich Public Relations und Werbung bildet sich gerade neue Informationskompetenz zu Social Media aus, auch wenn hier die Forschung noch keine wirklich belastbaren Daten oder gar Langzeitergebnisse liefern kann.

    Diese verstreute Kompetenz im Umgang mit Information macht den Wissenstransfer so schwer und das Themenspektrum so vielfältig. Wir bringen mit der Informare! diese Zielgruppen zusammen und bauen eine Community auf, in der sie sich über das ganze Jahr hinweg austauschen können. Sie können auch gerne Mitglied werden!

    Wie verträgt sich so viel Kompetenz mit dem Programmpunkt „Obi-Wan Kenobi und das Future-Internet“, der am Mittwochnachmittag auf dem Konferenzprogramm steht und im Stil einer Late Night Show vorgetragen werden soll?

    Auch das ist Kunst der Information. Nur mit wirklich fundiertem Wissen und Können kann man aus anderen Wissensbereichen beispielhaft und glaubwürdig ableiten, wie sich aktuelle Entwicklungen in der Zukunft fortsetzen könnten und diese Ideen dann auch noch unterhaltsam und trotzdem tiefgründig präsentieren. Entertainment, oder, in diesem Fall passender, Infotainment ist eine große Kunst. Mit diesem Vortrag lockern wir die starre Form wissenschaftlicher Frontalvorträge auf – wie übrigens auch mit den Workshops, der „Langen Nacht der Suchmaschinen“ und dem „Informare!Camp“. Mit den Workshops schaffen wir effektive Möglichkeiten zum interaktiven Wissenstransfer aus der Theorie in die Praxis und aus der Praxis zurück in die Theorie und Forschung. Bei der langen Nacht der Suchmaschinen wird gezeigt und Hands-On ausprobiert, wodurch sich Suchmaschinen unterscheiden und wie man ihre Ergebnisse lesen muss. Beim Informare!Camp haben Nachwuchswissenschaftler und Quereinsteiger aus anderen Fachrichtungen die Möglichkeit, interessante Themen aus ihrer Arbeit vorzuschlagen und, wenn das Auditorium per Akklamation für das Thema stimmt, es vorzutragen und zur Diskussion zu stellen. Zunächst auf dem Informare!Camp, die interessantesten dann später auch vor dem Konferenzpublikum. Dafür haben wir am Mittwoch früh eine „Wake-Up“ Session vorgesehen. In der Kunst, in der Geschichtsforschung und in Marketing, Werbung und PR gibt es zum Beispiel sehr interessante neue Ansätze.

    Die Informare! ist wie das Internet: Ganz viel spannende Information mit vielen Überraschungen bei guter Unterhaltung.

    Herr de Kemp, wir danken Ihnen für das Gespräch und freuen uns auf die Informare!

    http://informare-wissen-und-koennen.com

    www.wissensexzellenz.de