Umkehr-Prozesse: Mit Process Mining und Execution Management zu überzeugenden Nachhaltigkeitsfortschritten

     

     

     

     

     

     

     

    Text: Janina Nakladal, Global Director of Sustainability bei Celonis

     

    “Prozessschwachstellen sind die heimlichen Effizienz- und Ressourcenkiller in allen Organisationen.”

     

    Digitale Transformation allein ist kein Allheilmittel in Sachen Klimaschutz. Doch intelligente Technologien wie Process Mining und Execution Management verschaffen Unternehmen Transparenz über ihre Prozesse, bringen versteckte Ursachen für Ineffizienzen ans Licht und operationalisieren Maßnahmen. Die Entwicklung geht hin zu einem ganzheitlichen Ansatz, der die komplette Wertschöpfungskette und alle Stakeholder im Blick hat.

    Das Thema Nachhaltigkeit steht bei den meisten Unternehmen ganz oben auf der Tagesordnung. Doch wenn den Worten keine Taten – und vor allem keine messbaren Ergebnisse – folgen, droht schnell der Vorwurf des Greenwashing. Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung – hat in einer Studie [1] herausgefunden, dass die Effekte digitaler Technologien auf den Energieverbrauch und dadurch die CO2-Emissionen von Unternehmen teils geringer sind als erwartet. Wie also lassen sich Reduktionspotenziale in Unternehmen besser heben?

    Ineffizienzen und Emissionstreibern auf der Spur

    Allzu oft wird Nachhaltigkeit nicht in alle Geschäftsbereiche eingebettet, sondern als isolierte Strategie angesehen. Doch nur mit einem ganzheitlichen Ansatz, bei dem sämtliche Prozesse und Abläufe im Unternehmen und entlang der Lieferkette datenbasiert analysiert und optimiert werden, können alle relevanten Ineffizienzen und Emissionstreiber aufgedeckt und beseitigt werden. Dabei geht es nicht darum, neue IT-Systeme einzuführen, sondern die bestehenden Systeme und digitalen Technologien besser zu nutzen.

    “Nur durch Überprüfung aller internen Prozesse können Unternehmen ganzheitlich nachhaltiger werden. Technologie ist dafür der Schlüssel.”

    Ziel muss sein, Transparenz zu schaffen und Unternehmen verlässliche Bewertungen und Entscheidungshilfen, vor allem aber konkrete Handlungsmöglichkeiten an die Hand zu geben – denn Prozessschwachstellen sind die heimlichen Effizienz- und Ressourcenkiller in allen Organisationen. Angesichts der Vielzahl an Anwendungen und der immens wachsenden Datenmengen sind sie aber schwer aufspürbar. Die Kernprozesse jedes Unternehmens, egal welcher Größe, laufen über ein komplexes Netz aus IT-Systemen. Manuelle Datenerfassung bzw. unzureichende Datenverfügbarkeit sowie fehlende zeitnahe Erkenntnisse für die Entscheidungsfindung und widersprüchliche Prioritäten tragen dazu bei, dass das Messen von Emissionen oder das Auffinden und Umsetzen von Verbesserungspotenzialen nicht datenbasiert und kontinuierlich gesteuert werden.

    Geschäftsprozesse ganzheitlich verstehen

    Genau hier setzen Process Mining und darauf aufbauend das Execution Management an. Die Technologie funktioniert wie ein Röntgengerät für Prozesse und zeigt zunächst den Ist-Zustand von Abläufen im Unternehmen auf. Mit validen, datenbasierten Erkenntnissen über alle Prozessschritte, aber auch über mehrere Prozesse hinweg ist es möglich, Silos aufzubrechen und Nachhaltigkeit in jede Entscheidung oder Maßnahme mit einzubinden. Dabei werden sämtliche Abläufe und verschiedene Datenquellen berücksichtigt. Indem Daten aus allen gängigen IT-Systemen wie SAP, Oracle oder Salesforce zusammengeführt und in ihrer tatsächlichen Form abgebildet werden, werden Unternehmensprozesse ganzheitlich verstehbar. Ergänzt werden diese um spezifische Kennzahlen und Datenschlüssel für Nachhaltigkeit, wie beispielsweise Emissionsfaktoren oder Ratings. So gelingt eine umfassende Quantifizierung ökologischer und sozialer Auswirkungen und die kontinuierliche Überwachung relevanter KPIs.

    Zusätzlich zur Diagnose erfolgt die Therapie: Die identifizierten notwendigen Maßnahmen werden operationalisiert. Automatisierung und intelligente Handlungsempfehlungen ermöglichen Priorisierung und Reduktion, nicht nur die Neutralisierung von schädlichen Auswirkungen. Auf den Prüfstand kommen hier alle Bereiche im Unternehmen – Potenziale finden sich aber insbesondere in der Produktion, der Materialwirtschaft und der Logistik.

    Lernen von anderen Produktionsabläufen

    Komplexe Prozesse, falsche Kalkulationen, Qualitätsmängel oder Kapazitätsengpässe führen häufig zu Lagerüberbeständen, Produktionsausschuss oder Abfällen auf Lieferwegen. Die dabei verschwendeten Materialien und Produkte erhöhen die Kosten und schaden der Umwelt. Durch eine bessere Planung und Optimierung des Produktionsmanagements werden unnötige Abfälle systematisch aufgedeckt und gezielt reduziert. Hier können Machine-Learning-Algorithmen zum Einsatz kommen, die verschiedene Prozessvarianten nach Ähnlichkeit klassifizieren. Mit Attribut-Entscheidungen kann man Unterschiede nach Materialgruppen oder über verschiedene Produktionsstätten hinweg untersuchen, beispielsweise mithilfe von Methoden wie Random Forest oder Naïve Bayes.

    Über diese Ähnlichkeitsklassifizierungen ist es möglich, dass ein Unternehmen von anderen Produktionsabläufen lernt, wie sich der Ausschuss durch Prozessoptimierung reduzieren lässt. Ein Unternehmen aus der Automobilbranche konnte auf diese Weise seinen Produktionsprozess nicht nur schneller und effizienter gestalten, sondern auch die Ausschussrate auf nahezu null bringen.

    Durchsetzung einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie

    Ein entscheidender Faktor für eine nachhaltige Produktion ist auch die Materialbeschaffung. Die Problematik liegt hier oft in der fehlenden Transparenz hinsichtlich der genauen ökologischen und sozialen Auswirkungen von Lieferanten. Oder aber die Informationen stehen nicht zeitnah zur Verfügung, wenn Beschaffungsentscheidungen getroffen werden. Das erschwert die Implementierung und Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards.

    Unternehmen sollten ihre Nachweispflichten jedoch nicht auf die leichte Schulter nehmen, insbesondere angesichts strengerer Vorschriften durch das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Digitale Technologien helfen dabei, Lieferantenbewertungen mit operativen Prozessdaten zur Optimierung und Durchsetzung einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie zusammenzuführen. Dadurch können Nachhaltigkeitsbewertungen überwacht und das Reporting vereinfacht bzw. auf Risiken und Veränderungen schnell reagiert werden.

    Transportkapazitäten entlang der Lieferkette koordinieren

    Studien zeigen, dass der Großteil der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens entlang der Lieferkette entsteht. Das bestätigt auch die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA [2]. Zu vermeidbaren Kohlenstoffemissionen kommt es hier unter anderem, weil Fahrzeuge nicht optimal ausgelastet sind oder Entscheidern nicht die notwendigen Informationen für eine klimafreundliche Routenplanung zur Verfügung stehen. So sah sich ein Konsumgüterunternehmen aus der Fortune-500-Liste der Herausforderung gegenüber, die monatlichen Versandkosten genauer vorherzusagen. Ungenauigkeiten hatten immer wieder zu Spontankäufen und ungenügend genutzten Transportkapazitäten geführt. Das trieb nicht nur die Kosten, sondern auch die Kohlenstoffemissionen in die Höhe.

    Mit Hilfe des Execution Management Systems überwacht das Unternehmen nun die Auslastung seiner Versandkapazitäten in Echtzeit und kann Anpassungen gegebenenfalls noch bis zur letzten Minute umsetzen. Liegen ähnliche Aufträge für denselben Kunden vor, so werden diese mit dem Einsatz von maschinellem Lernen automatisiert zusammengefasst. Allein durch die verbesserte Bündelung der Aufträge fallen jetzt bis zu 300 LKW-Transporte weniger pro Woche an.

    Résumé: Mit innovativen Technologien zu messbaren Erfolgen

    Prozesse bilden die Grundlage für alles, was ein Unternehmen tut. Sie bestimmen die Art und Weise, wie ein Unternehmen geführt wird – von der Produktkonzeption über die Herstellung und den Vertrieb bis hin zur Auftragsabwicklung. Indem Geschäftsprozesse analysiert und mit Hilfe von Intelligenz und Datenverarbeitung verbessert werden, ist es möglich, Nachhaltigkeitszielen bei jeder betrieblichen Entscheidung Priorität einzuräumen.

    Nur durch die Überprüfung und Rationalisierung aller internen Prozesse können Unternehmen ganzheitlich nachhaltiger werden. Technologie ist dafür der Schlüssel. Sie hilft dabei, Ineffizienzen und Probleme aufzudecken, zu verstehen und valide zu quantifizieren. Noch wichtiger ist, dass sie Unternehmen in die Lage versetzt, handfeste Maßnahmen auch kurzfristig zu ergreifen, um Verbesserungen zu erreichen. So kann Potenzial voll ausgeschöpft werden, was – nicht immer, aber bei vielen Prozessen – zu messbar geringerem Ressourcenverbrauch bzw. CO2–Reduktionen führt.

    www.celonis.com

    Celonis unterstützt Unternehmen dabei, ihre Daten zielgerichtet zu nutzen. Das Celonis Execution Management System baut auf der marktführenden Process-Mining-Technologie des Unternehmens auf und stellt eine ganze Reihe von Anwendungen, Plattform-Funktionen sowie das neue Celonis Studio bereit, um Ineffizienzen in Milliardenhöhe zu beseitigen, eine bessere Customer Experience zu bieten und den CO2-Ausstoß zu verringern. Celonis hat Tausende von Kunden und seinen Hauptsitz in München, Deutschland, und New York City, USA, und verfügt weltweit über 16 Niederlassungen.

    Referenzen

    [1]              https://www.zew.de/fileadmin/FTP/dp/dp21105.pdf?v=1643359098

    [2]              https://www.epa.gov/climateleadership/scope-3-inventory-guidance